Ich in Gelb

Jedenfalls: Gelb. Ein natürlicher Feind aller Hautfarben. Finde ich jedenfalls, obwohl ich es eigentlich mag, ich meine, man muss nur an Kindergartensonnengelb denken, und es geht einem gleich besser.

Hier seht ihr mich in Gelb:

qualle_pink

Gelb ist schwierig, da muss man gar nicht erst mit Judensternen und Maria Magdalenas kommen. Doch ja, immer auch: Brandmarkungsfarbe, was für ein Wort: Brandmarkierung. Auch wenn die selbst wohl eher selten in Gelb gehalten ist. Da denke ich mehr an Rotschwarz, verbranntes Fleisch eben. Brandmarkierung: Branding. Was für eine Evolution! Sehr strange.

Gelb ist einfach so schon schwierig, zumindest in der Ganzkörpervariante. Zitronengelb ist frisch, das schmeckt man richtig, man kränkelt halt schnell drin, doch wenn schon, dann richtig grell, meine Meinung. Currygelb ist gallig, geht gar nicht, Strohgelb unentschlossen, kann aber im richtigen Kontext auch interessant sein. Dagegen möchte ich nichts gesagt haben. Das hier ist nicht Stroh, nicht Zitrone, auch kein Curry, das hier ist Sonnenblumengelb, das ist das wirkliche, wahre Gelb, das man mit fetter Ölkreide auf Papier drücken kann, bis der Stift abbricht. Und wenn ihr das nicht seht, solltet ihr mal euer Farbprofil überprüfen. nG

Netzgesetz: Blaw!

Backstage dabei zu sein ist immer spannend: dem Unfertigen beim Fertigwerden zuzuschauen. Rose ist wirklich speziell, mit erstaunlich rundem Gesicht, die hohen Wangenknochen muss man nicht erst betonen, rund um die Rundheit feines schwarzes Haar, denkt man gleich an Schneewittchen. Die Mehrschichtigkeit der Stofflagen kommt in der Drehung zum Tragen, und das Thema: Volumen, Volumen, da muss man sich drübertrauen! Hat diesen 30er Touch, das riecht nach Bonnie und Clyde, sagt Josef, ganz was Neues, und trägt nicht auf. Weht mehr so geisterhaft.

Zwischen den Garderobenstangen ist mein liebster Ort. Da atmet man die Stoffpartikel ein, auch wenn die Outfits nur leere Hüllen sind, wenn der Geist erst am Körper zum Vorschein kommt, der geht so eine Allianz ein mit dem lebenden Objekt. Die Jahreszeiten sind so Schnee von gestern, ruft Josef mir nach. Nichts mehr mit Frühjahr und Herbst und Midseason, in Zukunft bieten wir Nachschub rund ums Jahr, ständig Neues, Netzgesetz. Weblaw, sagt er und als ich wieder auftauche: Blaw! Die wirklich immer aktuelle Farbe, sagt er in breitestem Dialekt, ich lache.

Wir sind alle eine große Familie, sagt Josef. Ihr seid meine Familie. Papa sagt, ich soll einmal von was anderem schreiben, keine Ahnung, zwingt ihn niemand, den Blog zu lesen. Und Mama lernt jetzt Motorradfahren. Die spinnt. Wie kindisch die eigenen Eltern werden können, sollte man nicht glauben. nG

Café Equinox

Pünktlich zum Frühlingsanfang im Café Equinox: Mama ist frisch verliebt, und ich tu so, als würde ich es nicht merken.

Das Allerneueste bei Josef, von dem ich berichten darf: Sein Schlachtschiffmotiv passend zur Krimkrise, wie er sagt. Man muss immer auf der Höhe der Zeit sein, und schnell dazu, und Mode ist schnellschnellschnell, merk dir das, Storchenkind. Ich mag den Namen nicht. nG

Biedermeierei

Aus dem Leben eines Patchworkkindes: Komme ich zu Papa nach Hause nach so einem besonders öden Schultag … also manchmal frage ich mich echt, wer die Stundenpläne erstellt, vermutlich werden die automatisch generiert, und nachher sagen alle: der Computer hat. Der Computer kann das nicht anders, als ob niemand das Programm geschrieben hätte, na, egal. Jedenfalls: ich komme nach Hause, und wer sitzt da im Küchlein mit den Erzenglein, ganz zwanglos und trotzdem etwas, ich weiß nicht, so, als ob er nicht hierher passen würde, als ob so eine ganz normale Küche einfach kein Hintergrund wäre, der ihm entspricht: Josef. Manuel macht gerade eine Apfeltarte und staubt mit Zucker herum, damit die Kanten schön karamellisieren, ich liebe Apfeltarte. Manuel scherzt und Josef sieht ihm zu, die Arbeit mit den Händen, sagt er, ist mir die liebste. Bewundert die staubigen Finger.

Papa steht auf und geht um die Kücheninsel. Sie sind so mit sich beschäftigt, dass sie mich kaum bemerken, ich knalle also meinen Schulrucksack auf die Platte. Manuel sagt, dass er mir zum hundertsten Mal sagt, dass der dort nichts verloren hat und jetzt außerdem voller Mehl ist, dann hält er ihn mir mit langen Zuckerfingern hin und schaut so seltsam drein. Die Rucksackrückseite ist wirklich schneebestäubt. Josef sagt, hey, und ich ignoriere ihn und sehe Papa an: Wo bleibt jetzt meine Qualitätszeit, hä, erklärt mir das wer, die große Quality-Time-Lüge? Er sagt, beruhige dich, gleich gibt es Kaffee und Tarte aux pommes, ganz pompös auf einmal. Und überhaupt, als ob ich Kaffee trinken würde, ich doch nicht. Ich nehme mein Zeug und hänge es dort auf, wo mein Vater, der Pedant, will, dass ich es aufhänge. Manuel fragt Josef, ob er Lust hat, das Schlagobers zu schlagen, wenn er traditionelle Handarbeit so schätzt, und weil ich weiß, dass Josef das wirklich nicht ertragen könnte, seinen Anzug zu beschmutzen, springe ich dazwischen und sage, nichts täte ich lieber. Dann sehe ich den Schneebesen zu, die sich auf Plastik drehen, was ein schmetterndes Hubschraubergeräusch macht, wenn man sich drüber beugt, und die weiße Flüssigkeit spritzt zielsicher über den Rand, Papa sagt, ich soll nicht so eine Sauerei veranstalten, und Manuel sagt, nichts wäre so ausgeprägt wie die Feinmotorik von Schneiderhänden. Höchstens noch Chirurgenhände, Josef lacht, die Sahne ist fertig geschlagen, und ich lecke die Quirle ab, als keiner hinsieht, während Papa den Tisch deckt.

Später wollen sie alle drei ausgehen, und ich lasse sie alleine ziehen. Manuel wirft sich in Schale, so hat man ihn noch nicht gesehen, während Josef sich schon einmal in seinen Wagen zurückzieht, sonst wird dem Chauffeur langweilig, meint er noch. Papa und ich bleiben zurück an zwei Seiten der Kücheninsel. Immer um den Herd, sagt er mit einem Lächeln, das irgendwie flattert: ich will es mir genauer ansehen, doch es kommt nicht wieder. Ich könnte mir ja in der Zwischenzeit eine Kochsendung genehmigen, schlägt er vor. Immer das Getue um das Essen, sage ich. Biedermeierei. nG

Schulklos

Schulklos sind überhaupt das letzte, jetzt, wo die Grasgeschichte Wellen schlägt. Mermaid haben sie mich genannt in der Nebenkabine, habe ich auf WhatsApp gesehen, wer sich da zusammenrottet. Klingt netter, als es gemeint war. Wenn man Nettheit nett findet wenigstens. Glitschig. Von wegen Fisch und so; überhaupt haben Klokabinen was Verschwörerisches. Stellt man sich natürlich gleich vor, dass das Wasser aus den Abflüssen quillt und die Kachelböden überschwemmt, bis man jeden Halt verliert, besonders die dort drüben, die schlittern nur so dahin und werden aus dem Haus gespült. Ich natürlich gewartet, bis sie abgezogen sind, wobei das eh ganz egal ist, was zählt ist das, was im Chat steht.

Ps.: So ein Bild einer Frau, die süßlich lächelt, während ihre Finger zärtlich durch die Haare eines abgeschlagenen Männerkopfes fahren, was will uns das sagen? nG

Mit dem Winter sind wir durch!

Zu früh gefreut: Schneefall, meterhoch, da vergeht einem ja die Lust, sich überhaupt irgendwie anzuziehen, mit den Winterthemen sind wir doch wirklich durch. Die schönsten Matschstiefel, Yeti-Boots und Schalverschlingungen. Eine Schalschlange mit Kunstfellschuhen auf dem Weg zum Gipfel, von wo sie abhebt und sich in hopsende Yetis oder Spaghettimonster verwandelt, je nachdem, wie es ihr gerade passt. nG

Schäferinnen

Und nun der Teaser: Meine Rollrasenidee wird eines von Josefs Highlights! Speed kills, sagt er, wirst sehen, da rutscht uns doch glatt eine Vorabinfo raus für die übernächste Kollektion, ganz zwischen allen Seasons.

Eine Rollrasenrobe der Extraklasse, eine transportable ganz eigene Schäferinnenwiese mit Blumen und Lämmchen drauf, ganz Eskapade, sagt er, so aktuell! So Königinnen und Versailles und Endzeit, wir leben ja in einer Endzeit, das geht alles den Bach runter, unser way of life, Schätzchen, sagt Josef zu Leila, das ist seine rechte Hand, wie sie es nennt. Das Leaken dosieren wir richtig, sagt die. Konsumiert, Kinder, wenn wir nicht mehr konsumieren, dann ist es aus mit uns, Konsum ist Leben, was anderes haben wir nicht, das ist die Rolle für fleißige Meerschweinchen wie uns, und darüber lacht er so ausgiebig, dass ich ratlos zu Leila sehe, doch die telefoniert in einer Ecke. ng