Eier

Irr der Aufwand, der für einen einzigen Augenblick getrieben wird. Aber das ist ja gerade das Spannende. Spannend, sagen sie alle hier, wenn mal wieder aus dem Nichts eine Realität erzeugt wird, fast wie am Bildschirm, eine Realität, die so intensiv ist, dass sie nur für die Dauer eines Auftritts, eines Laufstegrundgangs, eines Bildes hält. Man kann sich fragen, ob das nicht alle Augenblicke haben, das Besondere, wenn man sie genau ansieht, und natürlich haben sie das, einfach deshalb, weil sie schon wieder vergangen sind, kaum fängt man an, sie sich anzusehen. Wie banal. Es ist zum Heulen!

Durch die ganze Aufregung, die Arbeit, die Anspannung wird ein kurzer Moment, eine Schrittfolge herausgenommen aus der Zeit rundherum, wie eine Stichprobe, und die muss dann perfekt sein: die gilt. Die wird festgehalten, gefilmt, verlinkt und ausgewertet. Die Stimmen werden heiser, die Schweißflecken größer, nicht an den Models natürlich, an denen, die stylen, anziehen, ausziehen, umnähen, wieder anziehen. Josef ist dabei, er kontrolliert alles, überprüft alles selbst. Es riecht nach Rauch, auch nach Kaffee, die Luft ist irgendwie staubig. Ich mittendrin, manchmal wird es mir zu viel, und ich verziehe mich in die sogenannten bathrooms.

Ich meine, ich bin doch nicht blöd, ich weiß, was ich mir denken muss, wenn da jemand Staub in seine Nase zieht, und das sage ich auch. Oder zumindest verdächtig an der Nase herumfummelt und hochzieht, und dann das weiße Zeug auf der Oberlippe und an der Hand. Ihr werdet es nicht glauben, aber wie sie so dagestanden ist und sich festgehalten hat an der marmornen Waschtischplatte, mit ihrem ausgebeulten Hinterkopf und ihren Krallenschuhen, da schlägt der Unterzucker durch, und mir wird schlecht, so schnell, dass ich gar nicht mehr richtig reagieren kann. Kommt vor, wenn man in zu kurzer Zeit zu schnell wächst.

Ich packe ihren Arm, wo ich sie halt zu fassen kriege, sie stößt mich weg und schreit: Denkst du, ich bin von allen guten Geistern verlassen, und in zwei Sekunden online?

Was?, frage ich, ganz Spucke weg, wo plötzlich diese Aggression herkommt, und schwanke noch ein bisschen.

Na, sagt sie etwas ruhiger, das weiß man doch, dass du alles abfotografierst.

Ich: Nein, es war nur. Sie: Was? Sie wischt den Staub ab, ach das, sagt sie: willst du auch was von meinem Wurmeipulver?

Was? frage ich.

Und da erzählt sie mir diese ganze Allergiegeschichte. nG

2 Gedanken zu “Eier

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