Looking Fabulous

In Papas Küche habe ich Josefs Bild gesehen. Ausgeschnitten und an die Kühlschranktür geheftet. Was dort sonst noch steht:

Looking Fabulous

(Being bitter: blaming everyone)

Admitting Nothing

 Das hat Manuel mit einem kleinen elefantenförmigen Magneten befestigt. Er sagt, das braucht er am Morgen, das muntert ihn auf, wenn er heimkommt nach einer Nachtschicht. Und außerdem mag er Elefanten. Weit hat Papa es gebracht: von der Anästhesistin zum Krankenpfleger. Das Leben wird komplizierter, wenn man erst einmal erwachsen ist. Aber glücklich sind sie wohl. Manchmal denke ich, Manuel sieht Mama fast zu ähnlich. Zum Glück arbeiten sie in verschiedenen Krankenhäusern. Manuel kocht übrigens ziemlich gut, das ist mit ein Grund, warum es so toll ist, bei ihnen zu übernachten. Nein, stimmt natürlich nicht, so würde ich das nicht stehen lassen. Admitting nothing.

Looking fabulous – ja, das tun wir jetzt einmal. Davon gehen wir aus.

Being bitter – klar haben wir alle unsere dunklen Seiten: hochprozentige Schokolade. Ist ja trivial zu erkennen, Chatroompsychologie, dass unter der fabulösen Oberfläche ein Unsicherheitskeim steckt, ein Mensch im Umbau, der wissen will, wer er ist. Wer sie ist. Ich gebe es zu, euch kann ich es ja sagen: Ich bin nicht perfekt. Wie alle eben.

Blaming everyone: Oh ja, juhu, der beste Teil überhaupt! Immer schön die anderen verantwortlich machen, und die Umstände, das ganz besonders, das Wetter, Erdstrahlen, Mondphasen, Aszendenten und sonstigen Schwachsinn, gegen den man allerdings wenig tun kann. Was die anderen betrifft, die kann man fertigmachen, noch nie getan? Rundumschlag, Meuchelfotos hochgeladen und so weiter, so richtig gemein gewesen, und die Erleichterung, diese kurze unerträgliche Erleichterung bei dem Gefühl, jemanden erledigt zu haben, von dem man denkt, der oder die hat das verdient, ist SCHULD an der blöden Situation, in der man gerade steckt. Herrlich, dauert aber leider nur sehr kurz, die Herrlichkeit, dann sickert schon ein ungutes Schamgefühl durch, wie aus einer Windel, die langsam zu stinken anfängt (fragt nur meine Cousine) und die man nicht mehr länger ignorieren kann, so gut man das auch geübt hat.

Da könne man Sachen erzählen. Angefangen, ganz harmlos: Habe meine Tante bestohlen, als ich auf Lara aufpassen sollte, nur ein bisschen, nur ein paar Euro-Münzen, weil sie immer so knausrig ist. So, jetzt ist es draußen, öffentlich, hier. Nicht mehr zu leugnen. Tut mir sehr leid, liebe Tante. Und das sage ich dann blöderweise zu einer guten Freundin, und was macht die? Eben, am nächsten Tag lauter Hass-Posts, von wegen Diebin. Einer aus meiner Klasse verkündet lauthals, ich hätte Geld aus seiner Tasche gestohlen – so eine lächerliche Freitag-Geldbörse, die er für unglaublich cool hält. Vor hundert Jahren vielleicht. Na, was mache ich: mich rächen, natürlich. Zumindest einen schlappen Versuch, auf den ich im Nachhinein nicht gerade stolz war. Dann hat er sein Geld gefunden, hat sich aber nicht mehr getraut, das zuzugeben, weil er vorher so laut rumgetönt hat. Bis wir da draufgekommen sind und das wieder klären konnten: anstrengend.

Admitting nothing: Bis vorhin jedenfalls. Man könnte auch sagen, dass die ganze Sache mit einem Admitment, oder Commitment, angefangen hat, nämlich damit, dass ich meiner besten Freundin etwas erzählt habe und dass der Abtausch von Gemeinheiten zu verhindern gewesen wäre, wenn ich mich eben an diese Regel gehalten hätte. Aber ich dachte wohl, so ein Schuldeingeständnis der harmlosen Sorte wäre gut für die Freundschaft. Falsch gedacht. nG

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